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Ergebnisse Teacher Training Graz 2017 und Focus on Europe 2018

Teacher Training Erasmus+ Ethika Education Project  Graz 2017 und Focus on Europe 2018 Graz

Welche Fähigkeiten braucht der Lehrer?>

Was wird von den Kindern erwartet?>   teacher training:

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Adaptionsworkshop für Lehrer mit Interaktionen und Versuchen, um Kinder ein zu binden.

Ethika Training Courses für die Lehrer in Zukunft → Evaluation →Curriculum mit dem besonderen Augenmerk auf das jeweilige Land.

 Vortrag von Ingeborg Trappe-Butzbach

Kulturelle Bildung im Zeichen eines sich verändernden Kulturbegriffs

 Ethisches Lernen mit und durch Musik – Die Bedeutung einer Inklusiven Schule für Europäische Kulturbildung

Einleitung

In Zeiten der Globalisierung und der damit einhergehenden Migration verschiedenster Ethnien ändern sich die Anforderungen für Lehrende an Kindergärten und Schulen. Die Herausforderungen einer Erziehung für alle Kinder gleich welcher Herkunft erfordert ein Umdenken im Umgang mit verschiedenen Traditionen und Kulturen. Es ist ein Gesamtkomplex eines Lehrplans neu zu finden, der sich an alle richtet und niemanden auslässt. Der Lehrer wird zum Mediator aller und damit zu einem neuen Vermittler einer sich neu zu definierenden Kultur im Klassenzimmer. Verantwortliches Handeln im Sinne der Ethik bildet die Grundlage, um den Kindern ein Miteinander zu ermöglichen.

Um Barrieren abbauen zu helfen, dient  die musisch-kulturelle Erziehung als Kulturträger. Diese macht eine Änderung des traditionellen Kulturbegriffs erforderlich, der sich nicht mehr im Herder`schen Sinne an eine Nation richtet, sondern an viele Kulturen. Nur so kann man allen Kindern gerecht werden, indem ihnen Toleranz und Akzeptanz im Sinne der Ästhetik und Ethik vermittelt wird, damit sie diese leben können. An der Inklusiven Schule für Europäische Kulturbildung versuchen wir seit vielen Jahren diese neuen Methoden zu lehren.

Der Artikel gliedert sich in drei Teile:  Der Wandel  des Kulturbegriffs  im Sinne einer Ethisch-Kulturellen Bildung – Das Erasmus+ „Ethika Education Project“ in diesem Zusammenhang und die Bedeutung einer Inklusiven Schule für Europäische Kulturbildung – Aufbau einer ethisch–musischen Erziehung am Beispiel des Inklusiven Europäischen Kinderorchester.

 Ethisches Handeln – Ethische Erziehung und Kulturelle Bildung  – der Weg zu einem sich ändernden Kulturbegriff

Diesem Abschnitt liegen die Ausführungen von Albert Schweitzer zugrunde, die er im Zusammenhang mit „Kultur und Ethik“ 1923 zum ersten Mal und 1960 als Sonderausgabe veröffentlicht hat. Ohne Ethik und die sich daraus ergebende Handlung in Bezug auf Kulturelle Vermittlung stellt die fundamentale Voraussetzung für unsere Inklusive Schule für Europäische Kulturbildung dar. Es ist von daher erforderlich, sich dem Begriff der Kultur in einer sich ändernden Gesellschaft genauer zu reflektieren, um Kindern mit und ohne Handicap im Zeitalter der Globalisierung gerecht werden zu können.

Vernunft setzt ethisches Handeln voraus. So stellte Immanuel Kant mit dem kategorischen Imperativ die Weichen, auf welchen eine Weiterentwicklung für die Kultur möglich gewesen wäre, aber nicht erfolgte.

Der kategorische Imperativ  lautet in seiner Grundform: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“(1731, A.S. S.98). Er ist im System Immanuel Kants das grundlegende Prinzip der Ethik. Da Kant die Moral das ethische Handeln bestimmen lässt, verliert die Ethik an Bedeutung für die Kultur, da Kant nicht geklärt hat, was Moral im Zusammenhang des ethischen Verhaltens für die Kultur bedeutet.

Diesen Zwiespalt hat Johann Gottlieb Fichte aufgearbeitet: „Das Ich setzt sich selbst, und es ist, vermöge dieses bloßen Setzens durch sich selbst; und umgekehrt: Das Ich ist, und es setzt sein Seyn, vermöge seines bloßen Seyns. – Es ist zugleich das Handelnde, und das Produkt der Handlung; das Thätige, und das, was durch die Thätigkeit hervorgebracht wird; Handlung, und That sind Eins und dasselbe; und daher ist das: Ich bin, Ausdruck einer Thathandlung.“ (1800 Bestimmung des Menschen, A.S. S.119ff). Fichte ging es um die praktische Umsetzung seiner Philosophie, weshalb er die Errichtung eines lückenlosen philosophischen Systems als zweitrangig erachtete. Im Vordergrund stand für ihn die Verständlichkeit eines positiven Menschenbildes, welches davon ausgeht, dass in jedem Menschen – und nicht nur im Gelehrten – der Grund echter Selbsterkenntnis gelegt ist und der Philosoph lediglich auf diese verweisen muss. Bei Fichte ist ethisches Handeln für die Moral bestimmend. Seine Hinwendung zur Naturphilosophie bleibt in den Ansätzen stecken und wird auf die Kultur nicht übertragen. Sein Verdienst ist die Hinwendung zum einzelnen Menschen als denkendes und handelndes Individuum.

Bei Friedrich Schiller und Wolfgang von Goethe finden sich keine grundlegenden Vorgaben zu einer Kulturethik. Schiller gibt der Ästhetik  als Grundlage zur Ethik, ohne definitiv zu sagen, was er darunter versteht, den Vorzug, während Goethe die reine Natur als Grundlage seines Schaffens ansieht. Hieraus hat sich das naturwissenschaftliche Denken im 19. Jahrhundert abgeleitet, welches die ethische geistige Weiterentwicklung stoppte.  Johann Gottfried Herder vertrat einen national ethischen Kulturbegriff, der eine Weiterentwicklung  eines neuen Kulturbegriffs im Sinne der Ethik nicht förderte.

Bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel hat die Bedeutung der Ethik (A.S. Seite 130ff.) den Sinn, die Entstehung einer Gesellschaft zu ermöglichen, in deren Gesamtgeiste der absolute Geist zum Bewusstsein seiner selbst kommen kann. Sittlich wird der Mensch, indem er sich freiwillig den Forderungen unterwirft, die die Gesellschaft im Hinblick auf die Schaffung der höheren Geistigkeit (These – Antithese und Synthese als ethischer Kulturbegriff) als zweckmäßig erkennt. Das Individuum gibt es bei Hegel nicht und damit auch keine Auseinandersetzung zwischen Mensch zu Mensch.

Wir haben folglich seit Mitte des 19. Jahrhunderts keine kulturelle Entwicklung mehr zu verzeichnen. Der einzelne Mensch wird allein gelassen, indem die Philosophie eine alleinige maßgebliche Position einnimmt,  die die Popularphilosophie und damit die Kulturentwicklung vernachlässigt.

Dadurch konnte die Kant`sche Vernunft den Naturwissenschaften dienlich werden, bzw. die Naturwissenschaften haben sich „aus Vernunft“ zum Motor der geistigen Entwicklung gemacht. Diese Vernunft ohne die Grundlage des ethischen Handelns verselbständigt zum Kollektivismus ganzer Gesellschaften, wo dem Einzelnen keine Bedeutung mehr zukommt. Er hat sich dem Kollektiv, dem allgemeinen Denken, unter zu ordnen und tut das sogar freiwillig in der Meinung, diese wissenschaftliche „Vernunft“ ist richtig. Das Individuum verliert seine Bedürfnisse und damit die kulturelle Identität, die in der „Masse“ aufgegangen ist. Der einzeln denkende Mensch wird dem kollektiven  Verständnis einer vermeintlichen „Kultur für alle“ geopfert. 

Auslöser dieser Denkweisen finden sich im negativen Weltbild bei Arthur Schopenhauer: Er entwarf eine Lehre, die gleichermaßen Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ästhetik und Ethik umfasst. Er sah sich selbst als Schüler und Vollender Immanuel Kants, dessen Philosophie er als Vorbereitung seiner eigenen Lehre auffasste. Innerhalb der Philosophie des 19. Jahrhunderts entwickelte er eine eigene Position des Subjektiven Idealismus und vertrat als einer der ersten Philosophen im deutschsprachigen Raum die Überzeugung, dass der Welt ein irrationales Prinzip zugrunde liegt. Diese Philosophie beeindruckte Friedrich Wilhelm Nietzsche, der sich später von dessen Pessimismus abwandte und eine radikale positive  Lebensbejahung in den Mittelpunkt seiner Philosophie stellte.  Sein Werk enthält scharfe Kritiken an Moral, Religion, Philosophie, Wissenschaft und Formen der Kunst. Die zeitgenössische Kultur war in seinen Augen lebensschwächer als die des antiken Griechenlands. Sowohl Schopenhauer als auch Nietzsche gehen vom Sozialstaat für alle Menschen aus, ohne die individuelle Natur des Menschen zu berücksichtigen.

Wegbereiter wie Ferdinand Johann Gottlieb Lassalle setzen die Ideen des Sozialismus im Sinne eines negativen Weltbildes fort. Die Geschichtsepochen betrachtete Lassalle als Entwicklungsstufen der Idee der Freiheit, die Klassen als Träger unterschiedlicher Prinzipien, in denen sich die Selbstbestimmung der Idee verkörpert. Den Volksmassen schrieb er keine revolutionäre Kraft zu. Sie waren für ihn nur das Objekt von Führern, die zur Erkenntnis der Idee gelangten. Den Staat fasste er als Verkörperung der allgemeinen menschlichen Sittlichkeit auf. Er übernahm die Idee Hegels, dass der Staat als Einheit aus einzelnen Individuen, die sich zu einer sittlichen Einheit zusammenfügen, besteht. Diese Einheit der Individuen verkörpert die Kräfte aller und das Individuum verliert seine persönliche Stellung. Die Bündelung der Kräfte verleiht dem Staat seine Einheit und Stärke. (1851, A.S. 132ff.)

Nur der in Freiheit denkende Mensch ist in der Lage, Kultur zu empfangen und zu geben. Da das ethische Handeln der Vernunft entzogen wurde, ist auch dem einzelnen Menschen die Möglichkeit, Kultur zu empfangen und weiter zu geben, verloren gegangen. Man erziehe folglich Menschen zu freiem selbständigen Denkern – Descartes:  cogito ergo sum – und man erhält die Chance mit Hilfe des ethischen Handelns zur geistigen Vernunft zu gelangen und umgekehrt mit der geistigen Vernunft zum ethischen Handeln, welches die Kultur beflügelt und weitergibt.

Aus diesen Gedanken erklärt sich, dass die Inklusive Schule für Europäische Kulturbildung kein soziokulturelles Zentrum ist, sondern eine Bildungseinrichtung, die durch freies Denken und dessen Vermittlung, Kinder und Jugendliche und junge Erwachsene zu individuellen Kulturträgern erzieht. Im Sinne der Inklusion wird dem Einzelnen seine Identität belassen und viele dieser Identitäten ergänzen sich zu einer neuen Kultur im Sinne einer neuen Weltanschauung im Sinne einer  veneratio vitae - im Rahmen der Stiftung zuerst im Rahmen Europas mit durchaus zu sehender Weiterwirkung weltweit. Aus der Erfahrung heraus, dass der Geist alles ist und die Institutionen eher wenig sind, ergibt sich die „Ethische Vernunft“ auf deren Grundlage eine neue Kultur auf ethischer Vernunft aufbaut. (I.T.B., Der Weg zur Inklusionsschule, August 2014, S.14).

Veneratio vitae (Ehrfurcht vor dem Leben) wird bei Albert Schweitzer als Grundlage für ein ethisches Handeln in Vernunft gesehen, woraus sich Kultur entwickelt. In der Ehrfurcht vor dem Leben geht das Erkennen in Erleben über. Die Lebensbejahung und damit Weltbejahung hat seinen Sinn im Willen zum Leben, dass die höchste Idee, die man lebt, der Wille zum Leben ist. Damit verliert die Vernunft ihre Rationalität und mündet ein in eine Mystik, die das Leben in sich trägt und auf der eine neue Kultur wachsen kann. ( A.S. ebenda, Seite XV).„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Auf dieser Grundlage basiert unsere Inklusive Schule und entwickelt fortwährend Methoden und Denkansätze, wie, mit welchen Mitteln und womit man Kindern und Jugendlichen gerecht werden kann. Es ist nicht ihr erklärtes Ziel, mit vorgegebenen Denkmustern und Aktivitäten Wissen zu vermitteln, sondern an den Bedürfnissen des einzelnen Kindes Denken und Aktivieren zu unterstützen, zu begleiten, damit der einzelne Schüler selbst tätig fündig wird. Diese Art der Vermittlung stellt das Recht des Lebens in sich selbst ins Zentrum und damit das Kind in den Mittelpunkt. Der Lehrende hat die Funktion des Begleiters, der hilft aber auch lässt.

Unser Alltag besteht größtenteils aus Realität in Gegenteilen, welche konträr zu den sublimen Beziehungen (Studien zur Beziehung von philosophischer und theologischer Ästhetik) stehen, wo die Polarität nicht existiert. Es ist folglich schwer, zu begreifen, dass man im Leben nicht lernen muss, sondern demonstrieren, was man bereits weiß. Dann erschafft man beim Ausarbeiten des bereits vorhandenen Wissens stets neues Wissen. Man rechtfertigt damit das Leben und gibt ihm den Sinn, der das Leben heiligt.

Somit gibt es auch keinen Misserfolg, denn die Seele misst weder Erfolg noch Misserfolg, es ist eine Frage der jeweiligen Handlung, die jederzeit wandelbar ist. Da wir uns erinnern, lernen wir nicht, sondern handeln, indem wir uns erinnern und damit wissen.

=> „Wenn ich nicht nach innen gehe, gehe ich leer aus.“ Das bedeutet, wenn man nicht auf seine innere Stimme/auf das Bauchgefühl achtet, wird man nichts erreichen. (I.T.B.: Gedanken zu Gespräche mit Gott, August 2015) Diese Erkenntnis wird im Inklusiven Kinderorchester angewendet.

In den letzten Jahren entwickelten sich Definitionen für eine neue Kultur wie transkulturell – interkulturell, hybride Kultur oder Hybridität aus der Erkenntnis, dass eine globale Welt im Gegensatz zu einem national ethischen Kulturbegriff steht.

Bereits Albert Schweitzer spricht vom Individuum, welches jedes kulturell für sich zu sehen ist und folglich zu respektieren ist. „Ich bin  Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“. Bedingt durch Migration und Mobilität versucht man heute, mit den Begriffen Multikulturalität, Transkulturalität, Interkulturalität, Plurikulturalität  eine hybride  Kultur, eine Hybridität neben der Soziokultur und Hochkultur zu etablieren, um allen gerecht werden zu können.

In seiner Theorie stellt Wolfgang Welsch (geb. 1946) dem Verflechtungsmodell der Transkulturalität 1997 das Kugelmodell der Multikulturalität und der Interkulturalität gegenüber. Diese folgt dabei der Kulturvorstellung Herders, der die Kulturen als in sich geschlossene und homogene Kugelsysteme betrachtete. Im Gegensatz dazu ist die transkulturelle Gesellschaft ein Gesellschaftskonzept bzw. eine Kultur, an der alle teilhaben, egal aus welcher nationalen Kultur sie ursprünglich kommen.

Multikulturalität bezieht sich auf die sozialen Strukturen einer Organisation oder Gesellschaft. Im Sinne der Multikulturalität wird davon ausgegangen, dass es nicht zur Verschmelzung der verschiedenen Kulturen kommt, sondern, dass sie nebeneinander bestehen.

Unter Interkulturalität versteht man das Aufeinandertreffen von zwei oder mehr Kulturen, bei dem es trotz kultureller Unterschiede zur gegenseitigen Beeinflussung kommt.

Die Plurikulturalität beschreibt das Vorhandensein vieler verschiedener Kulturen, ohne auf eine Interaktion oder Vermischung der Kulturen einzugehen.

Der Begriff der Transkulturalität geht im Gegensatz zur Interkulturalität und Multikulturalität davon aus, dass Kulturen nicht homogene, klar voneinander abgrenzbare Einheiten sind, sondern, besonders infolge der Globalisierung, zunehmend vernetzt und vermischt werden. Die Transkulturalität umschreibt genau diesen Aspekt der Entwicklung von klar abgrenzbaren Einzelkulturen zu einer Globalkultur.

Eine abschließende Entscheidung für einen geltenden einzelnen Kulturbegriff kann nicht erfolgen, es sollte sich unter der Hybridität aller entwickeln. Der Prozess ist nicht abgeschlossen, vielleicht auch nie, da sich die Welt und damit alle Kulturen in einem steten Wandel befinden. Das war früher auch, nur waren die Gesellschaften im Vergleich zu heute autonomer. Global gesehen werden wir völlig neue Prozesse erleben, das Ergebnis bleibt dabei offen.

Für die Kulturelle Bildung der Kinder und Jugendlichen ist dieser nicht eindeutig fest zu legende Kulturbegriff  bei der Erziehung zu berücksichtigen. Es bedeutet, dass wir als Lehrende uns nicht nach einer einfachen einzig gültigen Definition richten dürfen, sondern uns vielmehr mit den unterschiedlichsten Begrifflichkeiten auseinander setzen sollten. Kultur als ein feststehender Begriff existiert nicht, er wird im Zeichen der Globalisierung neu zu finden und zu definieren sein. Mit ethischer Erziehung und gemeinsamen musischen Sprachen können Kulturen erforscht, gelebt und auch verändert werden. Adaptionen und Gemeinsamkeiten gilt es zu leben, ohne den Anderen verändern zu wollen. Inklusion in Unterricht und Schule, letzten Endes in der Gesellschaft, als einer gemeinsamen Herausforderung, dient einer gemeinsamen Kulturentwicklung und verfolgt damit zum gegenseitigen Verständnis eine Hybridkultur, die jede Kultur zulässt und auch verändert. Für eine funktionierende Gesellschaft bedeutet das auch eine Einbindung aller Kulturströmungen ohne Unterscheidungen zwischen Hochkultur und / oder Subkultur bzw. Soziokultur. Jede Strömung bereichert und sollte nicht vergessen oder vernachlässigt werden. Schließlich haben unsere Kinder seit einigen Jahrzehnten wie selbstverständlich Berührungen zu anderen Kulturen bei ihren Schulkameraden. Eine fundamentale Ausbildung in Musik, Bildender- und Darstellender Kunst bietet eine solide Grundlage, um alle Strömungen zu erkennen und diese zu adaptieren. Vielleicht gelingt es den Kindern spielerisch neue Kulturideen zu finden und weiter zu entwickeln. Leichter wird es, wenn sie dabei eine gemeinsame Sprache als Grundlage angeboten bekommen, z.B. die klassische Musik, die international verstanden wird. 

  Das Erasmus+ „Ethika Education Project“ im Zusammenhang mit der Bedeutung einer Inklusiven Schule für Europäische Kulturbildung

Das  Erasmusprojekt + „Ethika Education Project“ hat sich der ethischen Erziehung bei Kindern verpflichtet. Es untersucht die Bedeutung der Ethik bei der Erziehung der Kinder und die Auswirkungen auf deren Verhaltensweisen im Alltag und darüber hinaus auf das Lernverhalten und dessen Zielsetzungen an den Regelschulen, bei uns an der Inklusiven Schule für Europäische Kulturbildung. Wir sind der einzige assoziierte Partner dieses Projektes in Europa, der sich bewusst der Erprobung musischer Erziehung außerhalb des schulischen Alltags widmet. 

Eine Inklusive Schule kann flexibler auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Kinder und Jugendlichen reagieren. Es ist ihre imaginäre Aufgabe,  sich den Bildern der Kinder anzupassen und durch imitieren („imitari“)und wetteifern („aemulari“) zum Nacheifern und Nachahmen von Wissen und Techniken anzuregen.

Nach Immanuel Kant ist diese Aufgabe Anschauung und Denken, womit  die reproduktive Einbildungskraft  die Wirklichkeit abbildet, während die produktive, schöpferische Einbildungskraft mit der Phantasie in Zusammenhang gebracht wird. Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Schiller stritten darüber, welche Rolle die Einbildungskraft und die von ihr hervorgebrachten Bilder für das philosophische Denken übernehmen können. Für Hegel stellen die Bilder aus der Einbildungskraft eine Macht des eigenen Ichs dar. Albert Einstein vertrat die Ansicht, dass die Phantasie wichtiger sei als das Wissen. Sie fördert wissenschaftliche Forschung und Wissen  durch selbstgemachte Erfahrungen, die als realer Faktor zu implementieren sind und  zu selbstkritischen Denken anregen.

Auch an den Pädagogischen Fachrichtungen der Universitäten in Europa hat man längst erkannt, dass unsere heutige gängige Praxis der Wissensvermittlung im Sinne einer ethischen und musischen Erziehung erweitert werden sollte. Ein zusätzliches Problem besteht in der immer intensiveren Beschulung der Regelschulen hin zu Effizienz und Ökonomie, die die Ausrichtung in die rein naturwissenschaftlich-mathematischen Fächer begünstigen. Damit fehlt den Kindern von Anfang an eine Bildung in den Fächern Philosophie und Ethik. Die Ethik ersetzt zunehmend den traditionellen Religionsunterricht, sie wird allerdings in Deutschland erst ab Klasse 5 angeboten, was zur Folge hat, dass Grundschulkinder keine ethisch-philosophische Erziehung erhalten. Daher sollte ein ethischer Werte-Katalog Kindern vermittelt werden, der sie befähigt, sich auf immer neue Situationen einzustellen. Die Wertevermittlung erfährt im Zeichen sich immer schneller wandelnder Umstände, wie steigende Fluchtbewegungen, eine größere Beachtung. Auf der Grundlage der Ethik erfolgen für das Zusammenleben mit verschiedensten Menschen und ihren Kulturen und Ansichten ständig  neue Absprachen, inwieweit man was tut oder nicht tun sollte.

Die zukünftige Pädagogik  befähigt zu Toleranz, Empathie und Akzeptanz, ohne dabei unsere Grundwerte zu vernachlässigen. Hier setzt eine ständige Vermittlungsbereitschaft einer Inklusiven Schule als Schnittstelle zur Bewältigung der aufkommenden Konflikte an. Sie bildet das transkulturelle Bindeglied zwischen der Gesellschaft, den Regelschulen und einzelnen Interessengruppen.

Da sich die Schulstrukturen in den verschiedenen europäischen Ländern unterscheiden, ist eine Veränderung der gängigen Vermittlungspraxis schwierig. Eine Inklusive Schule oder Jugendkunstschule kann eine Vermittlungsstelle in Ergänzung zu einer Regelschule als ein Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit sein. Eine solche Möglichkeit wird durchaus auch europaweit erkannt. Schwierigkeiten entstehen bei der Umsetzung vor Ort.

Umsetzung Musisch-Kultureller Bildung

 Als ein gelungenes Beispiel gilt das Bundesprogramm „Kultur macht stark“,  welches ab 2018 verlängert wird. Hier kommt unserer Einrichtung die Aufgabe zuteil, über Kunst und Kultur, Kinder und Jugendliche an Lernen heran zu führen und dieses Lernen als persönliche Bereicherung zu empfinden. Das Programm richtet sich vorwiegend an bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche und seit über einem Jahr vermehrt auch an Flüchtlingskinder und –jugendliche. In Form von gemeinsamen Aktivitäten erreichen wir auch alle weiteren Schüler/innen. In gemeinsamen Aktivitäten wie Konzerten, Aufführungen und Ausstellungen wird  diversitäre Einbindung aller Kinder und Jugendlicher umgesetzt. Die diversitäre Einbindung erfolgt im außerschulischen Bereich einer Inklusiven Schule  und weniger direkt an einer Regelschule.

 Aufbau des Europäischen Inklusiven Kinderorchesters

Die Idee zur Umsetzung und Gründung eines Europäischen Inklusiven Kinderorchesters entstand aus den Erfahrungen bei der Arbeit unserer inklusiven Klassen in der Jugendkunstschule und im Bereich des Tanzes. Im instrumentalen Einzelunterricht wurden seit der Gründung der Inklusiven Schule immer gehandicapte Schüler mit Handicaps, allerdings ausschließlich im Einzelunterricht oder der Musikalischen Früherziehung, unterrichtet. Daher haben wir beschlossen, im Ensemble- und Orchesterspiel, neue Wege zu beschreiten. Sowohl Kinder mit Handicap als auch sehr junge Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, daran teilnehmen zu können. Für diese Kinder gab es bislang kaum Möglichkeiten des europäischen Austausches. Aufgabe des Europäischen Inklusiven Kinderorchesters ist daher, durch das gemeinsame Spiel und mit der Unterstützung der jeweiligen Eltern, diesen Austausch mit anderen zu fördern.

Das Kinderorchester spricht vor allem vier– bis zwölfjährige Kinder an. Dies erklärt sich aus der Erfahrung heraus, dass diese Kinder und deren Eltern eher bereit sind, neue Wege auszuprobieren. Für sehr junge Kinder ergibt sich hierdurch die Chance, bereits sehr früh das Zusammenspiel zu erleben. Bislang war dies nur wenigen großen Begabungen vorenthalten. Professionalität und künstlerische Ansprüche der Künstler und Pädagogen setzen in der Regel die Maßstäbe an ein Orchesterspiel an zu hohe Hürden, die die meisten Kinder gerade am Anfang ihrer Instrumentalausbildung nicht bewältigen können. Die meisten Instrumentallehrer sehen beispielsweise im frühen Orchesterspiel eine Gefährdung für die Instrumentaltechnik. Zudem fallen den meisten Kindern das Notenlesen und das Einhalten des Rhythmus noch schwer. Mit unserer Methode aber sind die Kinder durchaus in der Lage, auch am Anfang der Instrumentalausbildung und ohne Notenkenntnisse zusammen zu musizieren. Auch die Eltern, die wissen, dass ihre Kinder noch nicht in der Lage sind „professionell“ in einem Orchester zu spielen, sind gerne bereit, mit uns neue Wege zu gehen. Die Instrumentaltechnik ist für die Eltern in der Regel nicht vorrangig. Das Kinderorchester erscheint Ihnen mehr als Unterstützung bzw. Voraussetzung für eine dauerhafte Freude am eigenen Instrument.

In einem Orchester zu spielen bedeutet für die Kinder, mit Spaß und Freude Erfahrungen mit ihrem gewählten Instrument zu sammeln. Genauigkeit im Musizieren wird erst dann angestrebt, wenn es „ernst“ wird. Da aber kleine Musiker, oft des Lesens nicht kundig, erst am Anfang der technischen Bewältigung ihres Instrumentes stehen, muss man ihnen adäquate umgeschriebene Musik- oder Spielszenen zur Verfügung  stellen. Sie spielen Szenen auf ihrem Instrument als Alternative zum Notenlesen. Die Spielszenen werden durchaus rhythmisch realisiert. Ohne größeres Hintergrundwissen führt diese Art des rhythmischen Spiels zum Taktgefühl. Das Hinhören beim Einsatz ihrer Szenen führt zum Hinhören, was andere machen, und welche Musik diese Mitspieler erzeugen. Das führt die Kinder zum Zusammenspiel und zum Zuhören, was die anderen Kinder spielen. Das Individuum Kind und sein Instrument werden dadurch zu einem orchestralen Zusammenspiel in einer Gruppe zusammengeführt. Durch das Erleben der Tempi, der Lautstärken, durch das Hinhören und Wahrnehmen der anderen Mitspieler erreichen wir die Sensibilisierung für eine gemeinsame Sache. Damit wird den Kindern ermöglicht, über das rein Individuelle hinaus, mit dem Instrument Erfahrungen im orchestralen Zusammenspiel zu sammeln.

Bisher wurde vor allem bei kleinen Kindern das Augenmerk auf die alleinige instrumentale Ausbildung gelegt. Doch bei dieser Ausbildung liegt die Konzentration vor allem auf einer kognitiven Schärfung der Fähigkeiten, und nicht bei der empathischen Fähigkeit, die für das Zusammenspiel notwendig ist. Dies erschwert später das gemeinsame Musizieren mit anderen Kindern. Wenn wie bisher üblich, Kinder erst später in ein Orchester eingeführt werden, sind sie oft viel zu sehr mit ihrem persönlichen Part beschäftigt, so dass sie auf das Hinhören und Wahrnehmen ihrer Mitspieler erst sensibilisiert werden müssen.

Die Fähigkeit zur Empathie ermöglicht es erst, Freude am Musizieren mit anderen Mitspielern zu erleben, und sich dabei anders oder neu wahrnehmen zu können. Es kann während dem Musizieren mit anderen ein Körpergefühl entstehen, das sie später befähigt, weiter zu üben und weiter zu musizieren in einer Sprache, die jeder international versteht. Es handelt sich hier um ein natürlich empfundenes Zusammenspiel, welches die reine kognitive Ausrichtung an den Rand drängt. Für Kinder mit Handicap gilt außerdem, dass hier die Instrumente an ihre körperlichen Fähigkeiten angepasst oder neugebaut werden können. Dadurch sind auch sie in der Lage, diese wertvollen Erfahrungen  zusammen mit anderen Kindern machen zu können.

Die liebevolle Behandlung der Kinder mit ihren angepassten Instrumenten erfordert vom Leiter des Kinderorchesters eine einfühlsame Hinwendung zur Musik. Wer eine perfekte Wiedergabe einer Komposition erwartet, sollte so ein Orchester nicht leiten. Falsche Töne und Rhythmen dienen der Erfahrung, aus der die Kinder lernen, je länger sie zusammen musizieren, es anders zu machen. Man sollte nie „falsch“ sagen, sondern dafür sensibilisieren, es „anders zu machen“. Kinder merken sehr schnell, wenn ein Stück nicht harmonisch klingt. Auch wenn sie am Anfang vielleicht voller Tatendrang ihre Instrumente malträtieren, so werden sie doch schnell von alleine dazu übergehen, ihr Spiel zu verbessern, um eine Harmonie zu erzeugen. Bremst man sie aber zu früh in ihrer eigenen Art des Spielens ab, verhindert man dies. Die Kinder werden früher oder später von alleine die Grenzen des eigenen Instrumentalspiels in Zusammenhang mit der gegebenen Szene und der Musik ausloten. Der Leiter hat also in erster Linie die Aufgabe, die Kinder auf ihrem eigenen Weg zu begleiten. Da kleine Kinder über natürliche Empfindungen in ihrem Tun verfügen, werden sie im Kinderorchester mit dieser Begleitung Erfahrungen sammeln, die ganz automatisch in die Welt der Musik und des Zusammenspiels führen.

Die „Notation“ erfolgt bei den ganz jungen Schülern über eine Verbildlichung der Musik im Gedächtnis. Daher werden die Musikstücke mit einer Geschichte bzw. einer Spielszene in Verbindung gebracht. Bilder und Szenen werden von den Kindern besser verstanden und schneller umgesetzt. Eine Umsetzung kann dann als Erfolg angesehen werden, wenn die Bilder und Szenen im Spiel zu Erfahrungen führen. Dies lässt die Kinder verstehen, warum später dann das Notenlesen sinnvoll ist und führt sie an die Beschäftigung mit der musikalischen Theorie und Praxis heran.

Die Auswahl der Musikliteratur sollte sich an der Klassischen Musik orientieren. Moderne Musik ist für kleine Kinder zu komplex, da sie wenig strukturiert erscheint. Zudem ist die Moderne Musik für dieses Alter zu laut, was die Kinder eher ängstigt, da ihr Gehör noch sehr empfindlich ist. Klassische Musik ist eine strukturell nach Regeln komponierte Musik mit Themen und immer wieder veränderten Tempi und Variationen, die Kinder nach genauem Hinhören auch erkennen. Wie in einem Raum, der als Vorgabe zur Orientierung dient, finden sie sich immer wieder. Dieser Raum bietet genügend Orientierung für Variation, Veränderung und Klangfarben. Auch wenn die Kleinen selbst ab und an gerne laut spielen, hören sie nach einiger Zeit auf die Musik der anderen und finden wie von selbst zum piano (leise spielen).

Kinder üben in der Regel nicht von selbst, sie brauchen Motivation, um dabei zu bleiben und das erreicht man mit dem gemeinsamen Spiel - hier dem Orchesterspiel - in einer Gruppe Gleichgesinnter. Da alle Kinder für dieses Spiel unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen, gleicht das Kinderorchester einem riesigen Experiment, welches einen Leiter dauernd vor neue Herausforderrungen stellt. Er kann darauf vertrauen, dass die Kinder sich gegenseitig beflügeln, wenn er kleine Anmerkungen und Hilfestellungen gibt. So werden übrigens auch Kinder mit Handicap ganz automatisch zu gleichberechtigten Ensemblemitgliedern. Allerdings muss man davor warnen, Kindern mit Handicap die Ansprüche konzertierender Musiker vermitteln zu wollen. Das scheitert an den rein künstlerischen Wertevorstellungen, die dem Handicap oft gegensätzlich gegenüber stehen. Die Freude am Spiel und am Experimentieren muss daher Vorrang vor instrumentaler Präzision haben.

Wünschenswert wäre diese spielerische Art der Orchesterarbeit für alle Kinder. Das Inklusive Kinderorchester gilt daher als ein gelungenes Beispiel für eine neue Art der musischen Erziehung, besonders im Hinblick auf die Inklusion. Solange man die Musik als Verbindung verschiedener Menschen mit einer verbindenden Sprache ansieht, kann das Musizieren auf den verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Voraussetzungen funktionieren: Vielfalt in der heterogenen Gruppe als vereinendes Erlebnis ermöglichen.

Besonders im Hinblick auf geflüchtete Kinder in unseren Kindergartengruppen und Schulklassen eignet sich diese Art des Musizierens für eine gelingende Inklusion aller Kinder. Ethische Erziehung gelingt besser, wenn man sich der musischen Erziehung und eines erweiterten Kulturbegriffs annimmt.

Die Aufgabe der Stiftung des Beda-Instituts als assoziierter Partner bei Erasmus+ „Ethika Education Project“ ist, die praktische Analyse von Unterrichtsmaterialien im Bereich der musischen Erziehung auf deren Alltagstauglichkeit hin zu prüfen. Vorgeschlagene Unterrichtsmaterialien, die von Studentinnen und Studenten der angeschlossenen europäischen Universitäten erarbeitet werden, werden hier in die Praxis umgesetzt. Unsere Kinder setzen sich kritisch damit aus einander.

Als ein Beispiel der ethischen Erziehung von Vorschul- und Grundschulkindern stellt die Autorin  das Inklusive – integrative Kindermusical „Die Biene und das Flusspferd“ vor. Das Beispiel entstand auf der Grundlage eines Cartoons aus einer Bachelor-Arbeit von Frau Notburga Weinberger, einer Pädagogikstudentin von Herrn Prof. Dr. Franz Feiner, KPH Graz:

Kinder, die noch nicht lesen konnten, haben sich das Cartoon angesehen und anders interpretiert als es die Vorlage des Cartoons vorgibt.

Die Biene, ursprünglich als favorisierter Leistungsträger mit Fleiß, Einsatz und äußerst kommunikativ, erzählt dem Flusspferd, das einen anderen Tages- und Nachtrhythmus hat, von ihren Tätigkeiten und vom gemeinschaftlichem Leben im Bienenstock. Sie führen dabei einen Dialog. Die jeweiligen Aufgabenbereiche werden einander dargelegt. Das Flusspferd hat der Biene zugehört, obwohl es sehr müde war und gerne Ruhe gehabt hätte. Letztendlich hat es darüber nachgedacht, ob das Leben in einer Gemeinschaft von Flusspferden angenehm wäre. Durch das Reden lernen sich unterschiedliche Typen kennen und verstehen.

Für die Kinder ist die Biene nervig, flatterhaft und unruhig. Das Flusspferd dagegen verkörpert für sie Ruhe, Gelassenheit und Nachdenklichkeit. In dem Gespräch zwischen Biene und Flusspferd, welches die Kinder anhand der Bilder selbst entwickelten, ergibt sich, dass Erwachsene und Kinder nicht die gleiche Sprache sprechen. Sie verstehen sich nicht und so entstehen Missverständnisse  und intolerantes Verhalten gegenüber dem anderen.

Für die Kinder ist diese Aufhebung des Nichtverstehens die erklärte Aufgabe des Cartoons. Sie entwickelten aus der Geschichte eine Lösung, wie Erwachsene und Kinder sich besser verstehen lernen, indem sie sich gegenseitig zuhören. Sie wollen den anderen nicht verändern, sein Anderssein nicht biegen, sondern erhalten und respektieren. Daraus ergibt sich die Chance, dem anderen zuzuhören und zu verstehen. Er soll so bleiben, wie er ist und als solches respektiert werden können. Dazu gehört durchaus auch sich zanken und gegenseitig nerven. Darunter verstehen Kinder Akzeptanz und Toleranz.

Die Aufgabenvermittlung des Cartoons stand unter dem Thema Wort – Antwort – Verantwortung. Das WORT der Erwachsenen und die  ANTWORT der Kinder bedingen die VERANTWORTUNG für ein gutes Zusammenleben. Die Botschaften der Erwachsenen sind mit denen der Kinder nicht immer identisch. Die Moralvorstellungen der Kinder unterscheiden sich von denen der Erwachsenen. Indem man dem anderen zuhört und dann erst eine Lösung findet, werden Moralvorstellungen - Handlungsweisen - aufgezeigt. Vorgegebene Moralvorstellungen werden kritisch  hinterfragt, um als neue gemeinsame Lösung implementiert werden zu können, die dann in die Verantwortung eines jeden einzelnen mündet.

Die Rollenverteilung war für die Kinder klar: Die Biene sind sie selbst, das Flusspferd ein Erwachsener. Das wollte kein Kind spielen. Dass der Erwachsene als Flusspferd bei den Kindern besser interpretiert wird als bei den Erwachsenen selbst, zeigt, wie viel größer die Bereitschaft zur Toleranz bei Kindern vorhanden ist. Das Flusspferd bekam ein Baby dazu gesellt, dessen Eigenschaften von allen Kindern durchaus positiv bewertet werden. Für Kinder ist „das Ruhen“ nicht schlimm, sie wünschen sich das für sich selbst, damit sie wieder mehr Zeit zum Spielen haben und das ist für sie nicht faul sein. Aber ein solches Verhalten ist im Sinne der Erwachsenen nicht ökonomisch. Ökonomisches Verhalten ist Kindern fremd.

Kinder wollen sich nach ihren Möglichkeiten entfalten und entwickeln können. Sie sind neugierig auf alles und wollen dafür genügend Zeit einplanen dürfen, also Zeit zum Spielen haben. Im Spiel lernen Kinder alles: Das Laufen, Hüpfen, Sprechen, Konflikte herauf beschwören und sie wieder vergessen oder beheben und vieles mehr. Sie entwickeln daraus ihr Können und ihre Fertigkeiten. Die zunehmende Verplanung ihrer Spielzeiten empfinden sie als störend und behindert ihre kreative Entwicklung.

Die vorgegebenen Lehrpläne an Regelschulen verdrängen die Kreativität bei Kindern zusätzlich. Die reine Wissensvermittlung unter dem Fokus der Effizienz und Ökonomie steht spätestens ab dem dritten Schuljahr im Vordergrund. Auch die künstlerischen Fächer sind davon nicht ausgenommen, da auch in Musik oder Kunst nachweisbare Fähigkeiten erbracht werden müssen. Zudem wurde die Anzahl der Wochenstunden in diesen Bereichen stets reduziert. Für die Entfaltung von Kreativität braucht man aber Zeit, die sich die Kinder, wie am Beispiel des Flusspferdes sehr deutlich aufgezeigt wird, nehmen möchten.

Eine Oase für bewusst gelebte Zeit ist die Inklusive Schule für Europäische Kulturbildung und Jugendkunstschule, die Kindern den nötigen Raum für eine solche Entfaltung bietet, da sie auf eine reine Wissensvermittlung verzichtet.

Die Biene, die die Kinder auf sich bezogen, nervt, stellt den Spagat zwischen freier Entfaltung und Zeit und dem reinen Wissensvermitteln - hier im Sammeln von Honig - her. Das Honigsammeln gilt als fleißig und erstrebenswert in der Vorstellung der Erwachsenen: Symbolisch das Ansammeln von Wertgegenständen und das Funktionieren im Arbeitsprozess bei guter Bezahlung, also eine Art ökonomischen Verhaltens, welches von der Erwachsenenwelt gewünscht wird.

Der Konflikt bzw. das Nichtverstehen zwischen den Kindern und den Erwachsenen, indem beide  verschiedene Sprachen sprechen, wird in dem Musical thematisiert.

Ethisch-Musische Bildung für Kinder sollte sich nach deren Bedürfnissen ausrichten dürfen, um deren Kreativität weiter zu erhalten und weiter zu entwickeln. Ein weiteres Beispiel ist in diesem Zusammenhang das Inklusive Kindermusical „Die Gäßestrepper Saga“ von Klauspeter Bungert 2014.

Hier werden Möglichkeiten erörtert, wie man mit den unterschiedlichen Hintergrunderfahrungen von Kindern ein Stück einstudiert, ohne dessen Inhalt und Form zu vernachlässigen. Das Stück wurde dreimal unter unterschiedlichen Voraussetzungen aufgeführt, einmal  im Original mit Kinderorchester, Orchester, Gesang und Ballettszenen, einmal ohne szenische Darstellungen und einmal mit 50 geflüchteten Kindern.

Musik als internationale Sprache wird von allen Kindern verstanden und hilft so, kulturelle Barrieren abzu bauen und sich auch ohne Kenntnis der jeweiligen Landessprachen zu verstehen. So wird über die Musik eine Erziehung zur Ästhetik, Toleranz und Akzeptanz im Respekt zueinander möglich. Die Europäische Idee gewinnt gerade bei der Integrierung der geflüchteten Kinder eine Chance, diese über die Musik zu vermitteln. Zudem ermöglicht die Musik auch das Kennenlernen der anderen Kulturen. Sie macht neugierig auf Neues und respektiert das anderssein des Gegenübers. Das Orchester stellt ein Bindeglied der unterschiedlichen Kulturen dar, welches ein miteinander Musizieren ermöglicht.

Fazit: Möchte man einen partnerschaftlichen Lernprozess bei Kindern fördern, muss man der Anpassung an die bisher dahin vermittelten Sichtweisen der Erwachsenen, die in der Regel im Alter ab 9 Jahren erfolgt, entgegen wirken. Begeisterung für die Schule als einem wichtigen Baustein für den Fortbestand unserer Gesellschaft besteht nicht aus reiner Wissensvermittlung für ökonomisch, nachweisbare Ergebnisse wie Geld verdienen, einen guten Job anstreben und dafür in der Schule nur gut sein, sondern dem Erhalt der Forscherfreude und Kreativität auf dem Schwerpunkt einer ethisch-philosophischen Erziehung. Damit wird dem zunehmenden Stress und dem damit verbundenen Desinteresse unserer Kinder entgegen gewirkt und  man trägt zur Erhaltung unserer Gesellschaft bei. Besonders vor dem Hintergrund der zunehmenden Anzahl von geflüchteten Kindern in den Schulklassen sollte ein Umdenken erfolgen.

Dem Erhalt der Forscherfreude und Kreativität dient eine ethisch-philosophische Erziehung, wenn sie auf die Bedürfnisse unserer Kinder eingeht und einen vernünftigen Gegenpol zur rein ökonomischen Orientierung darstellt. Die Begeisterung für die Schule hängt von einer vernünftigen Balance zwischen Wissen vermitteln und Neugierde auf Neues ab. Selbstbestimmtes Lernen ist ein wesentlicher Faktor für spätere Erfolge im Leben. Diese Erfahrungen durften wir in der Kulturellen Ergänzungsschule für geflüchtete Kinder und Jugendliche machen. Trotz ihrer teilweise schlimmen Erfahrungen bei der Flucht, sind sie neugierig auf alles, was wir ihnen an kultureller Bildung bieten. Und es ist Überzeugung der Autorin, dass diese Freude auch bei unseren Kindern vorhanden ist und erhalten werden könnte, wenn wir allen Kindern den nötigen Freiraum schenken würden. Eine Möglichkeit wäre die Vernetzung verschiedener Schulen unter einem Dach, wie bereits zum Fachkolloquium „Menschenbilder in Schule und Unterricht“ an der Universität Trier in einem Vortrag am 06. Oktober 2014  ausführlich dargestellt.

Ingeborg Trappe-Butzbach

Vorsitzende des Vorstandes der Stiftung des Beda-Instituts für Europäische Kulturbildung

Verfasst im April 2017/ geändert nach der Vorlage vom Februar/März 2016

Ergänzung zum Vorlesungstext vom August 2014 für den 06.10.2014: Menschenbilder in Schule und Unterricht, Universität Trier, darin:  Der Weg zur Inklusionsschule

I.T.B.: Gedanken zu Gespräche mit Gott, August 2015

( Quelle: Albert Schweitzer,  Kultur und Ethik,  Sonderausgabe München 1960)

   Einschub: Gemäß der verwendeten Ausdrucksweisen für Kinder mit sonderpädagogischen Bedarf und Kindern mit Fluchterfahrung wurden die Formulierungen des Bildungsministeriums von Rheinland-Pfalz  und Berlin verwendet. Diese Ausführung dient dem Verständnis auch für andere europäische Länder.

Wir sprechen in den Bildungsministerien von gehandicapten Schülern bzw. von Kindern mit Handicaps nicht aber von behinderten Schülern oder behinderten Kindern. Es gibt auch den Begriff eines Kindes mit

Beeinträchtigung, der wieder ein Stigma impliziert. Wo und wann wird ein Kind beeinträchtigt, doch nur, wenn man es am Handeln und sich entwickeln hindert. Jedes Kind, gleich welcher Voraussetzung ist gleich und sollte gleich behandelt werden. Voraussetzungen wie z.B.  ein Handicap oder eine Flucht oder eine sozial arme Herkunft sind kein Makel, der einen „behindert“ sondern mit deren Situation und Auswirkung man umgehen muss.  Aus diesem Grund wird auch von „geflüchteten“ Kindern gesprochen und nicht von „Flüchtlingskindern“. Das erinnert  zu sehr an die Kinder nach dem 2. Weltkrieg, die zu tausenden nach Westdeutschland geflüchtet waren und die mit dem  stigmatisierten Begriff der „Flüchtlingskinder“ eher Eingewöhnungsprobleme hatten als willkommen zu sein.

Der erste Teil des Artikels gibt die Schwierigkeiten wider, unsere Kultur so neu auf zu stellen, dass sich jeder „gleich welcher Voraussetzung“ darin wiederfindet. Diversitäre Arbeit erfordert eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Kultur, der ethisch begründet sein muss. Wir neigen dazu, alles wissenschaftlich zu begründen und übersehen dabei, dass der Mensch und im Besonderen die Kinder nicht messbar sind. Einzigartigkeit und Vielfalt sind ein göttliches Geschenk, auch wenn viele Menschen sich der Religiosität verschließen. Wie sollen Eltern mit stigmatisierten Kindern in dieser Gesellschaft kulturell aufgenommen werden, wenn wir bereits Kinder katalogisieren. 

Daher sollte man innerhalb einer gelingenden Inklusion Stigmatisierungen vermeiden. Dass der Artikel auf „gehandicapte Kinder“ eingeht, ist der Tatsache geschuldet, dass diese diversitäre Arbeit beschrieben wird. Bei unserer Arbeit vor Ort spielen die Andersartigkeiten im Herzen keine Rolle, die Arbeit oder wie Meister Eckart schreibt, das Werk steht im Vordergrund und die Hinwendung und Umsetzung, damit dieses gelingt.

  Focus on Europe 2018

Es gab  seitens der KPH Graz Kritik an der derzeitigen Europäischen Politik, die die Heimat/Nationalität höher bewertet als ein Vereintes Europa. Focus on Europe entstand als Idee 2001 und wurde ab 2002 im Zweijahresrhythmus bis heute an der KPH veranstaltet. Besonders die hohe Beteiligung der östlichen Europastaaten seither  zeigt das Interesse an einem Vereinten Europa bis heute.

What is the importance of CLIL

(Content and Language Integrated  Learning)

Keynote speaker Rosalie Heinen von der Universität Münster

Man unterscheidet zwischen der Umgangssprache und der Fach- bzw. Wissenschaftssprache

Lehrer sind Mittler zwischen Staat/Politik und Gesellschaft vor Ort. Das heutige Klassenzimmer gleicht einem Integrationsraum, indem sich alle treffen ohne sich immer zu verstehen. Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer erfordert von daher spezielle Ausbildungen der Lehrenden/Studierenden. Der Lernerfolg hängt davon ab, ob der Lernstoff auch sprachlich ankommt. Der Lernende ist nicht dümmer, nur weil er die Sprache der Vermittlung nicht verstanden hat. Es ist ein Unterschied zwischen der Umgangssprache und der Fachsprache, die es speziell zu lernen gibt und die der Lehrer vermitteln muss. Anders in der Kulturellen Bildung bzw. Kunst, wo die Sprache der Kunst verbindet, ohne andere Sprachen zu verstehen. School of Arts.

Denn zuerst kommt das motorische Lernen bzw. künstlerische Handeln, dann das Intellektuelle. Also wo steht der Schüler und wie kann man ihn ansprechen, um die Sprache bzw. Fachsprache zu verstehen?  Mit Hilfe von Märchen lässt sich z.B. eine gute Grundlage für das Erwerben der Grammatik von Zeiten wie Präsenz, Plusquamperfekt oder Futur schaffen. Lehrer brauchen also die Fachkompetenz, um daraus didaktische Ansätze zur Sprachvermittlung zu entwickeln.

Es wurde festgestellt, dass die Erwartungen an Spracherwerb abhängig davon sind, wie man diesen benennt: Fachsprache versus Umgangssprache versus Akademikersprache versus Dialekt versus einfache Sprache. Daraus ergibt sich eine Stigmatisierung, die Fremdsprachige gegenüber Menschen mit besonderem Förderbedarf haben. Sie werden nicht speziell angesprochen, sondern müssen sich den Anforderungen an die vorgegebenen Standards richten. Ob das in der Schule Sinn macht, bleibt zu überlegen. In den unteren Klassen ist es sinnvoll, sich den Kindern so an zu passen, dass sie von sich aus mit Neugier in die neuen Sprachwelten einlernen. Für die Lehrer eine Mammutaufgabe, wenn in der Klasse gleich mehrere Sprachgruppen auf einander treffen. Es helfen Spiele, Lieder, Zeichen- und Körpersprache und Bilder zu den betreffenden Themenfeldern.

Besuch der Praxisschule:

Seminar: Modell „Familienklasse“: umfasst das 1. Bis 3. Schuljahr an der Praxisschule KPH Graz. Kinder lernen in verschiedenen Fächern in verschiedenen Stufen. Offene Klassenform. Ab Stufe 4 geht das nicht mehr.

Seminar: Modell „Mehrstufenklassen 1und 2 und 3 und 4“. Freiheit der Schüler im Lernen steht gegen Individualismus ohne Gruppenbildung. Freiheit steht gegen Frontalunterricht und Autorität des Lehrers im Lernprozess.  Bei  Montessori:  Daraus entsteht Co-planning und Co-teaching bei Praktikanten als zukünftige Lehrer. In den unterschiedlichen europäischen Ländern sieht man diese Art des Unterrichts auch für Praktikanten kritisch, da es sehr zeitaufwendig ist und teilweise nicht oder schlecht bezahlt wird. Zudem leiden Lehrer teilweise unter einem schlechten Image, Ausnahme hier sind die nordischen Länder. (In Bulgarien ist das wenig beliebt, weil Lehrer schlecht bezahlt werden. In Kroatien profitieren die Lehrer von zusätzlichen Fakultätsangeboten, sie werden in die Hochschule weiterhin integriert und damit höher angesehen).

Praxis/Umsetzung: Familienklasse und Mehrstufenklasse in der Praxisschule hauptsächlich im Diversitybereich und den Bereichen Montessori und Bilingual, weniger in der Jenaklasse. Das Unterrichtsmaterial ist sehr umfassend, alles steht den Kindern zur Verfügung, sie müssen es aber wieder ordentlich zurückräumen. Es gibt eine durchlässige Klasse zwischen dem letzten Kindergartenjahr und dem erstem Schuljahr. Und es gibt eine durchlässige Klasse zwischen dem 4. Schuljahr und dem ersten im Gymnasium. Das sind Versuchsklassen, wo man die Entwicklung der Kinder besser berücksichtigen kann. Sie erleichtern auch die Übergänge zu den unterschiedlichen Schulformen, also von der Kita in die Grundschule und von dort in das Gymnasium. Leider fehlt hier die Anbindung an die Mittelschule.

Unsere Institution verfolgt ebenfalls alle vier Bereiche wie die der Praxisschule. Den Bereich der Diversity werden wir gerecht, ebenso die bilinguale- und Montessori Erziehung. Nach dem Jenaplan werden nur Bereiche der Musik- Kunst- und Tanzakademie gerecht. Im Hort und der Tagespflege können wir ihn zurzeit wenig umsetzen. Um dies zu können, brauchen wir zusätzliche Lehrräume zum Experimentieren und Forschen und zusätzlichen Lehr- und Lernmaterial.

Lied in der Grundschule – Johanna Kocher KPH Graz

Aufwärmen: mit Bildern arbeiten z.B. Winter dazu Gesten nehmen, um anschaulich zu bleiben. Körperlichkeit und Gesten helfen, Stimmenimitationen, Zwerchfellarbeit mit dem Atem…verschiedene Höhen, leichte Sätze im Rhythmus sprechen und einfach singen.

Carl Orff: (Rhythmik am Mozarteum Salzburg). Mit dem Instrumentarium bewusstes Hören schulen. Lieder mit einem Akkord sind für kleine Kinder leichter zu singen.

Beispiel: „Ein Huhn das fraß, man glaubt es kaum, die Blätter von dem Gummibaum, dann geht es in den Hühnerstall und legte einen Gummiball“.

C – e – g als Bordun/neutral ohne e

C – g – (h) – d als Quint von g als Begleitung zu

„Ich kenne einen Cowboy, der heißt Bill, und wenn der reiten will, dann steht sein Pferd nicht still. Und so reitet der C. und so reitet der C., der reiten will…..“

Mit punktierter Viertel den Rhythmus variieren.

                   I         IV      V

  1. 1. C-Dur g c       d

                   E       a       h

                   C      f        g

  1. 2. G-Dur d g       a

                   H       e       fis

                   G      c       d

  1. 3. F-Dur c f        g

                   A       d       e

                   F        b       c                          Schlusswendung – Kadenz

Möglichst einfache Lieder wählen, ohne Moll und mit gutem Text!

Prof. Dr. Rolf Schwarz PH Karlsruhe: Bewegungsbildung statt körperlicher Aktivität

Ausgang: Kindliches Sitzen im Alltag und besonders in der Schule, nennt man Sedentarismus = sitzend liegender Lebensstil.

Es gibt ein Bewegungsbedürfnis besonders bei kleinen Kindern. Dieses müssen wir nicht steuern, wir sollten sie einfach lassen, da sie sich von sich aus mit verschiedenen Positionen bewegen und ausdrücken, im Spiel als auch in der Beobachtung, wie andere spielen und wie man es dann nachmacht. Dieses Bedürfnis begründet ein gesundes Leben, man braucht keine zusätzlichen Sporteinheiten, wenn man stets in Bewegung bleibt, also laufen statt Auto fahren, alle 45 Minuten vom Stuhl aufstehen und sich bewegen, es ist die Art und Weise wie man sich bewegt…Auch das Sitzen kennt 8 verschiedene Haltungen, die durchaus anstrengend sein können. Da wir 55% der Wachphase im Sitzen verbringen ist es wichtig die Intensität – Dauer – Reichweite, die über Kondition und Koordination entscheiden, zu beachten. Über 60 Min. Joggen ist wegen des Cortisol Ausstoßes schädlich für Kinder und ungeübte Erwachsene. Also reine Kalorienverbrennung ist unsozial, es sollte der Bewegungsbildung statt körperlicher Aktivität gerecht werden.

Alter o – 3 Jahre         soviel wie möglich

         4 -6 Jahre           180 Min/Tag und mehr

6 – 11 Jahre        sollten es 90 Min/Tag sein bzw. 60 Min. für 12000 Schritte, Schule verhindert Bewegung.

Dr. Lars Becker, Leibniz Universität Hannover:

Begabtenförderung geflüchteter Kinder und Jugendlicher

Begabungen bei Minderheiten werden oft nicht erkannt, da die Bewertung durch eine „kulturelle Brille“ geschieht. Also Stereotypen wie „Türken spielen Fußball“ oder „Japaner spielen Violine“. Das erfordert eine Entwicklung angemessener Strategien und damit eine Identifikation von Begabungen. Die Chancengleichheit ist bei Kindern nicht gegeben (Renzulli 1998), Eltern, die sich intensiv mit ihren Kindern beschäftigen, legen einfach gezieltere Bausteine für ihre Entwicklung. Gerade bei geflüchteten Kindern oder geflüchteten unbegleiteten Jugendlichen sollten wir ressourcenorientiert arbeiten und deren Erwartungshaltung bzgl. schulischer und kultureller Bildung entsprechen helfen. Der kulturelle Filter muss aufgehoben werden und allen Kindern grundlegende Fähigkeiten ohne manipulierte Aufgabenstellungen zu attestieren. (Mit welchem Blick sind wir unterwegs? Dursun Tan ). Denn Kinder, denen man nichts zutraut, trauen sich selbst nichts zu. So sagen türkische Kinder und Jugendliche selten, dass türkisch ihre Muttersprache ist, um nicht sofort weniger Chancen zu erhalten. Diese Abqualifizierung geschieht automatisch und ist kulturell bedingt, sie muss in der Pädagogik abgeschafft werden. Denn:

Vertrauen in junge Menschen, sie können immer mehr als wir erwarten.

Bei Heimkindern gilt das Gleiche. Sie leben auf Grund eines erhöhten intensiven Unterstützungsbedarfs nicht zu Hause oder haben keine Eltern.

Ohne BEZIEHUNG keine Wirkung

Haben Kinder und Jugendliche eine erwachsene Bezugsperson, die sie bedingungslos fördert und ermuntert, haben sie gute Chancen in ihrer Entwicklung wie ihre Kameraden.

„Self-concept is a hot variable that makes things happen. (Herbert W. Marsch)“:

Also Leidenschaft verbindet die Kinder/das Kind mit seinem Erzieher/Lehrer. Begeisterung vermitteln ist die Aufgabe der Lehrer/Erzieher und das, für alles  was man auch selbst tut. Dieses Mitreißen beflügelt Kinder in ihrem Tun und stärkt ihr Selbstbewusstsein selbst etwas zu tun und sich sicher darin  zu fühlen. (Royston Maldoom).

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